Solarstrom für ein Samburu-Dorf

Hanna Full baut während ihres Sabbaticals in Kenia ein Solarsystem auf, das ein Dorf mit Strom versorgt. Die Idee ist auf ihren vielen Reisen durch Afrika gereift

Solarstrom für ein Samburu-Dorf

DAS GP JOULE-MAGAZIN NR. 16 / APRIL 2025

Die Tage sind kurz in Unity, einem Dorf in der Savanne im Norden Kenias: Nach Sonnenuntergang wird es finster, weil die Hütten nicht an das Stromnetz angeschlossen sind. Gemeinschaftliche Aktivitäten? Lernen? Hausarbeiten? Schwierig im Dunkeln. Auch gibt es ohne Elektrizität kaum Möglichkeiten, dort ein Geschäft aufzubauen. Denn ohne Strom lassen sich keine Handys laden, keine Informationen aus dem Internet holen, keine Lebensmittel kühlen. In Unity leben ausschließlich Samburu-Frauen, samt ihren Kindern. Diese Kultur lässt Frauen und Mädchen kaum Rechte, viele der Bewohnerinnen haben häusliche Gewalt erlitten. Ihr Dorf ist ein Schutzraum, eine Solidargemeinschaft.

Auf einer Afrikareise lernte Hanna Full, Senior Consultant Energy & E-Mobility bei GP JOULE, eine ehemalige Bewohnerin kennen, besuchte das Dorf – und entwickelte einen Plan: „Lasst uns Photovoltaik-Anlagen installieren, um Unity mit Strom zu versorgen!“ Zurück in Deutschland, gründete die 32-Jährige die Organisation „greentech4impact“. Sie sammelte Spenden und begann mit der Konzeption. Und vereinbarte schließlich mit GP JOULE ein sechsmonatiges Sabbatical, um ihr Vorhaben umzusetzen.

Seit Anfang 2025 lebt die gebürtige Unterfränkin nun in Kenia, sie pendelt zwischen der Hauptstadt Nairobi und Unity. Im Februar ging es los: „Wir haben als Erstes eine Hütte für die Dorfgemeinschaft errichtet. Dort installieren wir nun ein Plug-and-Play-Solarsystem für Offgrid-Anwendungen, samt Batteriespeicher“, berichtet Full. Dabei arbeiten sie und ihre Mitstreiter von greentech4impact mit einer kenianischen Partnerorganisation zusammen. Unterstützung kommt zudem von lokalen Handwerkern, die später die Wartung des Systems und etwaige Reparaturen übernehmen werden. Auch die Bewohnerinnen von Unity haben beim Bau der Hütte Hand angelegt.

Mehr Möglichkeiten mit Solar

Zum Beispiel sorgen Solarmodule für Beleuchtung, wenn es draußen dunkel wird. Das hilft Kindern wie Carina, wenn sie tagsüber keine Zeit für Hausaufgabe haben.

Solarpumpe soll sauberes Wasser liefern

Dank der Photovoltaik-Anlage wird es im neuen Gemeinschaftsbau elektrisches Licht geben, zudem einen Kühlschrank und einen Computer mit Internetanschluss. Der soll den Frauen helfen, mehr Einkünfte zu erzielen: „Im Dorf gibt es eine Hütte, die an Gäste vermietet wird. Der Internetanschluss macht es möglich, dieses Angebot breiter zu vermarkten“, erklärt Full. Zudem erwägen die Bewohnerinnen, einen Online-Shop für traditionellen Schmuck einzurichten, den sie fertigen.

Als Nächstes wollen Full und ihre Partner auch die Wohnhütten mit Strom versorgen. „Das Wichtigste ist, dass sie elektrisches Licht bekommen“, sagt Full. Denn das ist Voraussetzung, damit die Kinder die Schule im Nachbardorf besuchen können: Ihnen bleibt für das Lernen nur die Zeit nach Sonnenuntergang, da sie ihren Müttern tagsüber bei der Hausarbeit helfen müssen. Und nicht zuletzt plant Full, einen Grundwasserbrunnen mit solarbetriebener Pumpe bauen zu lassen. „Bislang müssen die Bewohnerinnen ihr Wasser aus einem nahegelegenen Fluss holen. Das ist mühselig und kostet Zeit. Vor allem aber: Das Wasser macht die Frauen und Kinder krank, weil es sehr schmutzig ist“, erklärt sie. Der Brunnen soll sauberes Wasser liefern und Zeit sparen, die sie etwa für wirtschaftliche Aktivitäten oder den Schulbesuch nutzen können. Allerdings, so Full, reichen die eingeworbenen Spendengelder noch nicht aus, um den Brunnenbau und die Solarpumpe zu finanzieren.

Wasser liefern und Zeit sparen, die sie etwa für wirtschaftliche Aktivitäten oder den Schulbesuch nutzen können. Allerdings, so Full, reichen die eingeworbenen Spendengelder noch nicht aus, um den Brunnenbau und die Solarpumpe zu finanzieren.

Blaupause für weitere Elektrifizierungsprojekte

Bei GP JOULE entwickelt Hanna Full vom Berliner Büro aus vor allem Konzepte für Kommunen und Unternehmen, die ihre Fuhrparks auf klimafreundliche Antriebe umstellen wollen. Eine Aufgabe, die mit der Elektrifizierung netzferner Regionen nicht wirklich etwas zu tun hat. Warum also ihr Engagement in diesem Bereich? „Das Thema treibt mich um, seit ich vor einigen Jahren für mehrere Monate in Südafrika war, um dort meine Diplomarbeit zu schreiben“, erklärt die Wirtschaftsingenieurin. „Ich habe dort gesehen, wie viel Potenzial verschenkt wird, wenn Menschen keinen Strom nutzen können.“

In den Folgejahren ist Full mehrfach länger durch Afrika gereist und hat dort weitere Facetten der Energiearmut erlebt – und auch Elektrifizierungsprojekte kennengelernt. „Seitdem ist der Gedanke immer stärker geworden, mich auf diesem Feld zu engagieren. Bei meinem ersten Besuch in Unity hat es dann Klick gemacht: Hier kann ich aktiv werden!“, sagt sie.

Bei dem Vorhaben in Unity soll es aber nicht bleiben. „Wir schaffen hier eine Blaupause, die sich auf andere Dörfer in Kenia und anderswo übertragen lässt“, ist Full überzeugt. „Potenzial gibt es genug!” Dabei möchten sie und ihre Mitstreiter die Projekte gar nicht unbedingt selbst realisieren, sondern auch anderen die Möglichkeit geben, über greentech4impact aktiv zu werden – vom Fundraising bis zur Umsetzung vor Ort. „Wer auch immer aus der Energiebranche mit dem Gedanken spielt, so ein Projekt aufzusetzen: Meldet Euch bei uns!«